Monatsarchiv für September 2004

die große reise

Montag, den 20. September 2004

nun war ich schon mittendrin, fühlt’ mich heimisch an sonntagen,
wenn geoffrey mit tobias kam durchs internet,
und wenn ein paar tag später ulrikes deutsche texte
dazu online waren: mit der gesamten energie fürs herz
und allen nötigen erklärungen für den verstand.

da lag es nahe, mich einfach anzumelden für die konferenz in sommers mitte,
in santa fe - ein oft gehörter ort - doch hatt ich keine ahnung, wo das wirklich war.
und wenn ich schon mal drüben war - dann wollt’ ich noch mehr sehn,
fest legt ich nur den anfangs- und den endpunkt
von santa fe nach san francisco sollt die reise gehn,
alleine
nur ich selbst - zum ersten mal in meinem leben würd ich vier volle wochen
ganz allein verreisen - und das ohne festen plan - wollt’ sehen, wo ich landete.

ich besuchte jene konferenz - ein eigenes kapitel würde alles füllen,
ich will nur wahllos zwei, drei dinge hier erwähnen:

dazu gehört natürlich
die energie, die fühlbar floß, wann immer geoffrey channelte die liebevollen wellen,
die tobias fühlbar werden ließ.

dazu gehört auch jonette crowley, die mit mark uns führte weit, weit weg …
viele brauchten zehn minuten oder länger, danach wieder herzukommen,
mancher stand dann vor der türe, konnt die tränen halten nicht,
so erschüttert’ ihn die reise zu den fernen welten …

dazu gehört wohl auch, der, ach, so scharfe unterschied,
zu dem channel nach dem mark - es war für mich nicht auszuhalten,
danach sri ram ka mit den witzig-lustigen bemerkungen zu hören,
ich verließ den saal - doch außer mir schien niemanden der übergang zu stören …
erst später lag so manche(r) ganz erschöpft herum und wußte nicht, wieso …

dazu gehört vor allem, jenes liebe blond-gesicht, das mich am eröffnungsmorgen
in der lobby fragte nach dem weg zur registrierung …
sie war der grund am ende, dass ich meine reise um die hälfte längerte … ;)
eine eigene geschichte … ob sie jemals wird geschrieben? …

dann war die konferenz vorüber, alle reisten ab, ich suchte meinen mietwagen,
einen schönen roten chevrolet, der mich nun bringen sollte von hier dreitausend kilometer
weiter richtung westen …

und dann sah ich chaco canyon …
dies ist ein langes tal, an dessen wänden finden sich hineingeschlagen höhlen,
davor standen große häuser, versammlungsstätten (kivas) der anasazi …
im museum schon überkam es mich … und dann der blick in’s weite tal,
der tat sein übriges - hier gab’s eine verbindung, das war überdeutlich,
doch konkret war sie nicht …

so ist es mir auf dieser reise wirklich überall ergangen:
ich konnte so viel fühlen, manches rührte an mich dran - so übermächtig,
meistens aber blieben mir die einzelheiten strikt verborgen …

auf dem weg zu den vier ecken (four corners - dort ist’s wo einmalig
in den usa
vier bundesstaaten an einer stell zusammstoßen),
wartete ein anhalter am weg - ich weiss, es ist verrückt,
als fremder einen mitzunehmen …
ein schüler noch, dem das benzin war ausgegangen, er leitete mich dann
genau den rechten weg. er hatte träume morgens, kurz vor dem erwachen,
von luzifer und seiner trauer darüber, dass die menschen jetzt bald auch ohne ihn
das machen, was sie wollen, was sie können … daraus macht’ er texte
für seine band …

im tal der monumente fuhr ich nicht auf dem standard-25-kilometer langen pfad,
nein ich wählt den fussweg mit zwei litern wasser für eine stunde durch den staub,
den roten und mit warnungen vor schlangen …
es war alles halb so schlimm, doch das wasser war bei rückkehr ausgetrunken …

angesichts der langen reise wusch ich jeden abend ein paar kleidungsstücke
und trocknete sie über nacht - auch das gehört’ zu dieser langen reise …

am grand canyon lernte ich ein wenig synchronizität: vom parkplatz lief ich gleich direkt
zum südrand hin und schaute, und guckte in die mächtige vertiefung,
die tiefer als der höchste berg im schwarzwald ist … dann lief ich zurück:
dort war ein telefon, und ich rief an bei dem hotel, in dem ich abends wohnen wollte;
freundlich tröstete man mich: ich solle bitte zehn minuten später noch einmal …

… also ging ich noch mal hin - zu diesem rand … und diesmal nahm ich wahr:
das da war ich …
dort die gesteinsschichten - darin erlebt’ ich teile meiner seele,
einen so gewaltigen, so riesigen teil meiner eigenen seele,
ich brach fast zusammen, überwältigt,
niedergeworfen von diesem grandiosen ausblick,
einblick in meine eigene seele hinein, von der ich bisher dachte,
sie wäre ein sanfte hügellandschaft, so wie das kraichgau, das ich liebte …
hier erkannte ich die mir vorher unbekannten tiefen, doch auch höhen,
die in meiner seele schlummerten, und gewartet hatten … bis jetzt …
(es waren übrigens - vielleicht für manchen zum verwundern - weibliche teile,
der gran canyon ist für mich durch und durch weiblich
eingeschnitten von dem männlichen fluss colorado … ;) )

als ich wieder sprach zu der dame vom hotel, bedankt’ ich mich zu allererst
für die verzögerung, die mir solch profunde einsichten vermittelte …

auf der fahrt nach süden, kurz vor flagstaff, arizona; dort gabs wälder, kühe, berge, hügel,
auch hier war meine seele angerührt … dann immer weiter, bis am abend
ich erreichte all die roten felsen, steine, berge von sedona,
ein spirituelles zentrum dort in jener gegend, wo die karten für touristen
anzeigen die “weibliche” und “männlich” energie der einzeln hügel.

ich hatte vorher arrangiert ein treffen hier mit jemandem, der hier wohnte;
es gab gespräche, ausflüge, allgemeiner austausch,
und eine samstag-abend party von esoterisch-gleichgesinnten …
wunderbar ans andre ende der welt zu fahrn und dort zu treffen
menschen, die teilnehmen können, an dem, was mich bewegt …

außer weitern blicken in andre teile meiner seele
und der zischenden begegnung mit einer grünen schlange
gibts von dort hier nichts zu vermelden … ;)

am hoover-damm konnt ich bewundern des menschen kühnheit bei
der beherrschung der natur … und etwas weiter grad das gegenteil:
welch aufwand dort getrieben wird, die nicht beherrschten teile
des menschen zum profit zu nutzen - im glücksspiel in las vegas …

grandiose energien dort - erlebbar auf dem hohen turm bei nacht,
wenn alle straßen-lampen
ihr goldnes licht verströmen, wenn der warme wüstenwind
die platform dort durchrauscht, und du überhörst die schreie aus der hohen achterbahn
auf dreihundert meter höhe … dann nimmst du wahr den goldnen teppich,
der ausgebreitet liegt zu deinen füßen, und nur drauf wartet, dass du setzt
deinen fuß darauf, der du “berechtigt” bist dazu: auf dich wird gewartet …
zögere nicht länger … tu den schritt! - jetzt!

durch die wüste (wo die ufo’s häufiger zu sehen sind)
geht es dann sehr weit, sehr, sehr weit
(mindestens zehn liter wasser weit ;) ),
doch selbst in der einöde, in irgendeinem kleinen flecken steht eine library
(eine bibliothek), in der gibts einen anschluß an das internet,
und man begrüßt mich ganz persönlich, freut sich, dass ich aus old germany
den weg gefunden hab, in diese einrichtung (die ich nicht missen möchte,
überall “dort drüben” kann man emails lesen … es ist wunderbar …) …

die wüste hört allmählich auf, ich erreiche das gebiet des lake tahoe,
ein hochgelegner riesensee, im winter sind hier skier angesagt …

ich war nicht sicher, ob ich wohl den weiten umweg fahren sollt,
hin zu diesem see. doch geoffrey hat in santa fe leis zu mir gesagt:
du wirst dort wichtige erfahrungen irgendwie erleben …
ich blieb dort drei ganze tage und wartete von früh bis spät auf die angkündigten,
“wichtigen” erfahrungen …
am dritten tage auf dem schiff, das diesen blauen see durchkreuzte,
hab ich dann begriffen: es hat kein sinn und keinen zweck,
auf andere mich zu verlassen, wenn ich meine eigne reise unternehmen will …
diese tiefe, intensive erfahrung will ich nie mehr in meinem leben missen …
danke geoffrey (ob tobias da ein wenig mitgemischt?)
davon abgesehn hab ich dort grandiose wanderungen machen können,
einsame auf felsen, auf steinen, auf hohe berge undsoweiter …

dann zum park yosemite - das ist ein riesiges gelände, dessen eingang liegt
auf 3.000 meter hoch gen osten. von dort fährt man dann in serpentinen stundenlang
(fast wär ich dabei eingeschlafen) hinunter, hinunter, hinunter …
da erst merkte ich: seit santa fe - seit zwei wochen war ich wohl die meiste zeit
über 2.000 meter hoch gewesen - jetzt erst fiels mir auf, da ich auf der “andern” seite
nach california hin hinunterfuhr.

ich fühlte mich nicht wohl zwischen diesen felsen, da half auch eine wanderung
zu einem wasserfall gar nichts … ich fuhr schleunigst weiter, und obwohl
die dämmerung schon angebrochen, wollt ich unbedingt die riesenmammutbäume
noch sehn, bevor die sonne unterging,
grüßen meine brüder - und schwestern …

dann raste ich nach fresno hin, wo wieder jemand auf mich wartete,
gleich mit umarmung mich begrüßte und dann zwei stunden noch
inmitten dieser nacht sich mit mir unterhalten wollte …

hier und in san francisco erlebte ich die freundlichkeit, die viele am’rikaner
den gästen wohl entgegenbringen: ich hatte dort mein eignes bad,
ein eignes zimmer - alles war wohlvorbereitet. alles, was ich brauchte,
wollte, ich bekam es ohne mühen … es war wie für mich gemacht …

so macht ich mich zwei tage später auf nach san francisco,
wo zum ersten mal auf meiner reise mir wolken dann begegneten,
denn ich wußte nicht, dass dies das üblich wetter in der bay im sommer;
die sonnenbilder in den medien, werden im herbst, im frühling meist gemacht,
und so fror ich zum ersten mal auf dieser reise …

im museum sah ich dann ein bild: ich dachte, komisch, kennste doch was ähnliches:
da las ich, das sei eine ecke des karlsruher museums, die mir wohl bekannt,
denn aus karlsruh’ komm ich her …

ich lief sicher fünfundzwanzig kilometer durch die stadt,
erstmals in geschlossnen schuhn, weil’s für sandalen viel zu kalt …
durch china-town - über die brücke …
bis mich dann irgendwo am strand mein gastgeber hat abgeholt …

bis hier waren jetzt drei wochen meiner zeit vergangen.
da oben kurz erwähnte liebe blond-gesicht, hatte mich inzwischen
nach minnesota eingeladen - da kam man nur per flugzeug hin …
also ändert’ ich die pläne - wollte eine woche noch in den twin cities verbringen.

ich bracht den mietwagen zurück - und im computer war der wagen
schon zehn tage vorher sicher abgegeben worden - und so musst ich nur
ein drittel des mietpreises bezahlen … ;)

ein woche minneapolis - sie gehört zum schönsten, wunderbarsten, was ich je erlebt …
(vielleicht an andrer stelle werd ich dazu berichten …),
einen tag vor dem geplanten rückflug erst nach westen, dann ganz nach dem osten,
beschloss ich kühn: ich bleib hier noch zwei wochen …
und so kam es dann …

es entwickelt’ sich eine wunderbare partnerschaft, der ich so viel verdanke,
dass keine worte nicht, das hier drücken können aus …
und trotz sieben tausend kilometern hat es über zwanzig monate gehalten …

als ich kam zurück von dieser großen reise,
war ich nicht mehr, was ich vorher gewesen,
sah ich mich nimmer mehr
genauso wie vorher,
geschahen immer mehr
unvorhergesehne dinge …

stell dir vor, du gehst in deinem eignen haus
durch eine tür, die du vorher nie gesehn,
und dahinter findest du
zehnmal, hundertmal so viel
platz als wie du dachtest,
wäre in diesem deinem haus …
und der platz - er ist nicht wild,
er ist geformt, gewaltig,
ehrfurchteinflößend - - -
und: er gehört zu dir!

wenn du das fühlen kannst,
dann weisst du wie es mir erging,
als ich auf dem rückflug war
und die große reise
mir vor augen führte …

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PS: “twin cities” werden die beiden benachbarten städte Minneapolis und St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota genannt. es gibt dort ein brücke, von wo aus man “nach vorne” die hochhäuser in Minneapolis sehen kann und “nach rechts” die von St. Paul. alles zusammen leben dort ca. drei millionen menschen