deutsch-französische freundschaft
Freitag, den 18. Mai 2007seit meines lebens wohne ich nicht weiter als 80km von der französischen grenze weg, und es gab ein paar besuche im elsaß … doch irgendwas “liegt mir an den franzosen nicht” - oder besser: es zieht mich nichts an …
und so war ich auch schon auf der halben welt im urlaub - aber nur ein einziges mal mitten in frankreich …
französisch habe ich nie gelernt - und während ich ein paar brocken italienisch, spanisch und etwas mehr englisch kann - die französische sprache verschließt sich mir komplett …
ich lernte C. kennen, eine französin aus der bretagne, die mit einem deutschen verheiratet ist. ein onkel von ihr versuchte im alter von 22 jahren aus dem besetzten frankreich zu fliehen. er wurde verraten, nach buchenwald gebracht und starb nach vierwöchiger zwangsarbeit in den unterirdischen V2-produktionsstätten in dora. für C. hat vieles in ihrem leben mit der versöhnung, dem normalen zusammenleben von deutschen und franzosen zu tun.
ich hatte einen onkel, von dem ich nur weiss, dass er ungefähr im gleichen alter war, und dass er offizier war bei einer SS-einheit. er wurde zusammen mit 30 anderen soldaten im januar 1945 im elsaß getötet. sie sind bei schiftung (nähe baden-baden) begraben.
dieser onkel tauchte gelegentlich auf in meinem leben - z.b. in einer familienaufstellung - im zusammenhang mit depressiven neigungen und asthma.
C. schlug vor, dass wir gemeinsam zu dem soldatengrab in schiftung fahren. und das taten wir am freitag, den 18. mai 2007.
während es am donnerstag (christi himmelfahrt) den ganzen tag geregnet hatte, war es heute sonnig.
wir betraten das soldatengrab-areal und betrachteten alles eingehend.
C. legte die von ihr mitgebrachte weisse lilie vor das kreuz - aber die liegende lilie sah wenig ermutigend aus …
C. streute thymian rundherum und fand dabei hinter dem kreuz eine plastik-vase, die ich mit wasser füllte - und nun stand die lilie da und war bereit …
C. malte eine liegende 8 in den kies - und wir stellten uns jeder in einen der kreise - ich stand zuerst links.
währenddessen konnte ich all die schuldgefühle fühlen, die diese toten männer noch hatten …
dann haben wir die seiten getauscht
da konnte ich den versöhnungswillen, das versöhnungsangebot von C. / “den franzosen” / “des universums” fühlen - und die ungläubigkeit der toten männer, dass da ein deutscher und eine französin hand in hand stehen … sie konnten es nicht fassen …
dann sind wir 20 minuten spazieren gegangen …
dann die gleiche aufstellung wie vorher - ich zuerst links …
… die männer waren alle bereit, einen schritt vorwärts zu machen … und ich konnte fühlen, wie sie sich langsam nach rechts oben bewegten …
seitentausch …
ich konnte fühlen, dass die “deutsch-französische freundschaft” oft etwas war, was die menschen “machen mussten”, weil es von oben so verordnet war …
… doch jetzt war diese freundschaft vom zwang befreit …
… man darf sich freundschaftlich einander nähern … muss es aber nicht … es ist eine freie angelegenheit …
… im “entschweben” grüßten die männer noch zurück zu C. “du brauchst keine schuld zu fühlen dafür, dass franzosen uns getötet haben” …
während im ersten “durchgang” C. im linken kreis sehr viel kälte spürte, hatte sie beim zweiten mal ein warmes, erdendes gefühl, sie fühlte sich “neu geerdet”
dann sind wir gegangen …
… und haben in der nähe noch einen kaffee getrunken …
ich fühlte mich dann eigentlich “ganz normal” (erst am nachmittag kam eine große müdigkeit über mich) …
C. fühlte grosse entspannung, erleichterung, wachheit … keine erschöpfung …
dann fuhren wir nach hause …

weitere details zum damaligen geschehen siehe:
http://rheinmuenster.bawue.spd.de/Archiv.htm (dort im dokument nach “soldatengrab” suchen)