zusammen sein
Sonntag, den 17. Juni 2007ich sah im fernsehn einen bericht:
eine frau kaufte ein pferd,
und es gelang ihr während eines ganzen jahres nicht,
auf diesem pferd zu reiten,
das pferd stand nie still,
scheute und stieg,
sobald man versuchte,
einen sattel aufzulegen.
nach zwei tierärzten,
die sie deswegen erfolglos befragte,
entschied sie sich für
einen besuch bei der pferdeflüsterin.
sie brauchte über drei stunden,
bis das pferd im hänger war,
damit es dorthin transportiert werden konnte.
die flüsterin beginnt mit “joining”:
einfach in einem abgezäunten bereich
zusammen sein mit dem pferd,
am gleichen ort sein,
freilassend,
das pferd lassend,
es gehen lassend,
wohin es will,
bleibt sie in der mitte stehen,
und sie wartet.
das pferd läuft hierhin,
und dorthin,
entfernt sich nur zögerlich von ihr,
doch dann,
als es merkt,
dass niemand mit ihm schimpft,
niemand versucht es zu zwingen,
dann läuft es weg
bis an den zaun,
um dann auch mal wieder herzukommen,
und wieder wegzulaufen …
die flüsterin steht
dort in der mitte.
das pferd steht irgendwo.
sie geht auf es zu,
ganz langsam,
und sobald das pferd erschrickt,
zurück schreckt,
bleibt sie einfach stehen,
geht selbst einen schritt zurück.
so geht das eine weile,
bis sie schließlich
neben dem pferd steht,
dass selbst ganz still steht,
die ohren in alle richtungen dreht,
noch etwas nervös ist,
aber: es steht still neben ihr …
die besitzerin vor dem gitter
kann es nicht fassen,
tränen kullern ihr über das gesicht:
nach 20 minuten hier
steht dieses pferd still neben einem menschen -
das hat sie ein ganzes jahr lang
verzweifelt versucht,
und nichts gelang …
und jetzt steht es da …
die flüsterin kommt nun
mit einer satteldecke:
zwei schritte vom pferd entfernt
scheut das pferd zurück,
und auch sie geht wieder einen schritt zurück …
das wiederholt sich ein paar mal,
dann akzeptiert das pferd
die decke -
und noch mehr tränen rollen
bei der besitzerin …
nach einer stunde wälzt sich das pferd
vertrauensvoll neben der flüsterin
im sand …
den rest der sendung habe ich nicht gesehen,
das war auch nicht nötig …
es funktioniert eben
überall:
der sichere raum,
den ein mensch bereitstellen kann,
erlaubt es allen wesen,
egal, ob tier oder mensch,
sich wohlzufühlen,
sich zu entfalten,
zu leben …