adventszauber
Samstag, den 1. Dezember 2007da war diese einladung:
“adventszauber in einem alten haus
mit ausstellung und weinstube
und verkauf
an jedem adventswochenende geöffnet”
eine woche lang
fiel es mir immer wieder ein,
und ich hatte am ersten adventssamstag dienst,
also war nachmittags genug zeit,
dorthin zu fahren - war sowieso die gleiche richtung.
mein dienst war beendet,
ich war noch nicht sicher,
was sollte ich jetzt tun?
nur eins war mir klar:
ich wollte nicht nach hause,
wollte etwas gemütlichkeit
mit anderen menschen genießen …
inzwischen wusste ich auch,
wo das alte haus war:
nicht in meine heimwegrichtung
sondern genau entgegengesetzt,
noch einmal 40 kilometer …
was sollte ich tun?
ein kollege kam vorbei,
ich fragte ihn nach dem alten haus,
er war schon mal da gewesen,
und er wusste,
dass der eigentümer hoch verschuldet sei,
“selbst schuld” mit ein (oder zwei? oder drei?)
geschiedenen ehen,
ein haufen kinder hier und da von verschiedenen frauen,
und unterhaltszahlungen … ts, ts, ts …
aber, wenn ich dorthin ginge,
würde ich ihm sicher eine freude machen,
dem eigentümer …
ups? sollte ich den umweg in kauf nehmen,
und mich einer “ach, ich armer schuldner”-stimmung aussetzen,
wo ich doch gemütlichkeit wollte?
war das ganze nicht eine schnapsidee?
für ein, zwei stunden so weit zu fahren?`
da sass ich in meinem büro und nahm mir zeit.
sah, wie alles durch mich durch waberte:
erst die urteile und vorurteile “der anderen”
über den eigentümer (der mir vage bekannt war).
dann meine eigenen wünsche und erwartungen
an diesen nachmittag …
ich betrachtete alles,
eins nach dem andern,
schaute es an,
fühlte es durch …
…
…
…
und nachdem ich einmal durch war
von aussen nach innen und zurück
gab es keine fragen mehr:
ich würde dorthin fahren,
ohne erwartungen,
mir selbst genug,
bereit, auch wieder davon zu fahren,
sollte mir die stimmung nicht zusagen …
ein wunderbares haus,
sicher 150 jahre alt
mit garten und einer remise,
lichtergirlanden an den fenstern,
und hinter der schweren eingangstür
roch es gleich nach kaminfeuer.
mir wurde sofort ein sektglas in die hand gedrückt
und ich wurde den guten geistern des hauses vorgestellt:
fünf frauen und ein sohn und der hausherr selbst.
sofort fühlte ich mich wohl.
ein erster rundgang zeigte mir eine weinstube,
eine grosse küche dazu,
einen hof voller sonderangebote an “wohnzutaten” ![]()
und einen saal mit offenem kamin,
festlichst geschmückt
mit tannenbaum,
schmuckausstellung -
und bequemen sofas um den kamin herum.
überall waren noch eifrige vorbereitungen im gange,
und eine weile sass ich in der küche dabei,
schaute der kochenden adventssuppe zu,
wurde mit frischkäse bewirtet,
und staunte über eine gläser-spülmaschine,
die in 90 sekunden alles glasklar wusch …
dann liess ich mich von dem jungen
(zwölf jahre alt - im schwarzen anzug
mit fliege und gegelten haaren)
im hof herum führen:
er war hellwach, erklärte mir die kerzenständer
und blumenhalter,
wusste auf alles eine antwort
und war glücklich darüber,
als ich zwei windlichter kaufte …
im saal oben, beim kamin
waren viele goldene dinge ausgebreitet,
schmuckstücke für die kommoden zu hause,
weihnachtslieder in büchern,
und überall kerzen, kerzen, kerzen,
der hausherr hatte einen speziellen
elektrischen kerzenanzünder
(der aussah wie ein walkie-talkie),
mit dem er sich die finger nicht verbrannte,
und die kerzendichte pro quadratmeter
lag sicher bei fünf bis zehn …
kaffee in der weinstube,
gespräche mit der bedienung
(noch in ausbildung,
aber völlig professionell),
gemütliches ambiente,
einige andere besucher kommen,
da schmeckt mir auch noch ein kuchen …
immer wieder schaut der hausherr bei mir vorbei,
der in diese szenario wie hineingeboren erscheint,
man mag ihm seinen anderen beruf in der gewöhnlichen wirtschaft
überhaupt nicht abnehmen …
offen spricht er über seine erlebnisse der letzten jahre
mit frauen, mit diesem haus,
und ich spüre ganz deutlich:
dies hier ist sein riesiges gebiet
der experimente und des schöpferisch seins.
all die pläne, die er da noch hat,
und eine weinstube in einem weindorf …
da kann eigentlich nichts mehr schief gehen,
und schon gar nicht,
wenn diese weinstube diese wunderbare energie ausströmt,
die ich an diesem nachmittag spüren kann.
ein alter freund und sein sohn kommen vorbei,
wir plauschen, trinken wein,
dann gehen sie wieder (”zur sportschau”)
und ich wende mich dem kulinarischen höhepunkt zu:
der “adventssuppe” mit bohnen und gänsefleisch,
sieht aus wie eintopf,
schmeckt nach gourmet-essen …
noch ein paar gespräche am kamin,
dann kommen eine menge andere leute ins haus,
und der hausherr wendet sich ihnen zu,
und ich merke: jetzt ist’s bald genug.
ich atme seelisch aus,
hier am kamin,
es ist grad überhaupt keiner sonst da,
das holz knistert ein wenig …
da fällt mir ein,
ich könnte noch ein windlicht kaufen,
und fast im gleichen moment
steht der junge vor mir:
ich erklär ihm, was ich will,
und ein paar minuten später
hat er mir alles gebracht,
ich brauchte mich nicht mal von der stelle rühren …
ich geh noch mal bei jedem vorbei,
sag danke und drücke mein wohlbefinden aus,
und der hausherr (jetzt sind wir per du) freut sich …
beschwingt und mühelos
fahr ich die über hundert kilometer nach hause,
sitze hier auf meiner couch,
und bin immer noch
ganz verzaubert …
danke schön!
PS: weitläufig verwandt ist dieser text zwei gehen essen